Monatliches Archiv: March 2019

Mujiwireless (Eduroam-NAS)

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Abgelegt unter Raspberry Pi

Der Raspberry Pi Zero W kostet 10,35 Euro. Eine SD-Karte kostet 12,99 Euro, das USB-Kabel kostet 3,45 Euro. Das Muji-Visitenkartenetui mit doppeltem Fach kostet 3,95 Euro. Alles zusammen ergibt einen äusserst mobilen und drahtlosen Datenspeicher für vorkonfigurierte WLAN-Umgebungen. Die Idee: da das persönliche Bewegungsprofil meistens zwischen bekannten WLANs hin- und herpendelt, und ein Smartphone als Datenspeicher mit hoher Kapazität ausscheidet, soll dieser Mini-Computer, sozusagen als drahtloser USB-Stick, die Daten zwischen den WLANs austauschen. Den Fachbegriff NAS (Network Attached Storage) kann man natürlich auch verwenden. Vorteil: das Ding kann einfach in der Tasche bleiben, es wird über eine USB-Powerbank mit Strom versorgt. Stationärer Strom-Betrieb an einer beliebigen USB-Buchse ist natürlich auch möglich. Zweiter Vorteil: ein Ausbau der Kapazität durch Austausch der SD-Karte ist möglich. Dafür muss natürlich das System geklont werden, z.B. mit ApplePi-Baker.

Die Schwierigkeit dabei ist die Konfiguration des Eduroam-WLANs für die jeweilige Hochschule, den dieses Setup ist keinesfalls gleich für alle angeschlossenen Institute. Auch die Wahl des richtigen OS’ für dieses Projekt ist wichtig: das aktuelle Raspbian (Stretch 9.0) bringt nicht die notwendigen WLAN-Treiber für den Raspberry Pi Zero W mit. An Software wird also benötigt: Raspbian Jessy 8.0 und eine nachträgliche SMB-Installation.

Zwei Konfig-Dateien für Eduroam (und andere WLANs) sind wesentlich: /etc/wpa_supplicant/wpa_supplicant.conf und /etc/network/interfaces. In interfaces wird nur der allgemeine WLAN-Modus definiert und die Verweise zu den WLAN-Setups hinterlegt; folgender Inhalt ist weitesgehend allgemeingültig:


# interfaces(5) file used by ifup(8) and ifdown(8)

# Please note that this file is written to be used with dhcpcd
# For static IP, consult /etc/dhcpcd.conf and 'man dhcpcd.conf'

# Include files from /etc/network/interfaces.d:
source-directory /etc/network/interfaces.d

# the loopback network interface
auto lo
iface lo inet loopback

# the primary network interfaces
allow-hotplug wlan0

iface wlan0 inet manual

# link to access data
    wpa-roam /etc/wpa_supplicant/wpa_supplicant.conf

# secondary network interface with dhcp
iface eth0 inet dhcp

Inhalt der wpa_supplicant.conf sieht folgendermassen aus:

ctrl_interface=DIR=/var/run/wpa_supplicant GROUP=netdev
update_config=1
country=DE

network={
        ssid="eduroam"
        proto=RSN
        key_mgmt=WPA-EAP
        pairwise=CCMP
        auth_alg=OPEN
        eap=TTLS
        identity="RZ-Login"*
        password="RZ-Kennwort"*
        anonymous_identity="anonymous@hs-wismar.de"
        ca_cert="/etc/ssl/certs/Deutsche_Telekom_Root_CA_2.pem"
        phase2="auth=PAP"
        priority=1
}

network={
        ssid="Zuhause WLAN"*
        psk="Zuhause WLAN Kennwort"*
        key_mgmt=WPA-PSK
        priority=5
}

Alle mit * gekennzeichneten Zeilen sind persönliche Angaben. Wichtig die Verschlüsselungsmethode während der Authentifizierung (eap), die äussere Identität (anonymous_identity) sowie der Verweis auf das Root-Zertifikat (ca-cert), was schon Bestandteil des OS ist. RZ-Login als Kurzname. Die Prioritäten (priority) spielen nur dann eine Rolle, wenn beide WLANs in Reichweite sind.

Für das FileSharing wird SMB benötigt, die Prozedur dafür klammere ich hier mal aus. Persönlich habe ich 2 Ordner zum Teilen angelegt: einen mit Passwort und einen ohne Passwort (Guest-Access). Achtung: dass das Gerät für alle im Eduroam-WLAN befindlichen Geräte erreichbar ist, muss klar sein.

Praxis: ich benutze Mujiwireless™ jetzt schon ein paar Wochen und alles funktioniert wie erhofft. Der Zugriff von macOS (in Eduroam) erfolgt über die IP-Adresse, die man allerdings über nmap vorher in Erfahrung bringen muss. Der Zugriff von Windows-Computern im Eduroam klappt leider nicht. Im Home-WLAN erscheint das Volume im Netzwerkbrowser (siehe letztes Bild). Die Geschwindigkeit der Dateitransfers richtet sich an den Limitationen des Eduroam und der Möglichkeiten der Hardware des Raspberry Pi Zero aus. Im Home-WLAN erreicht man etwas höhere Datenraten. Für richtig grosse Daten eignet sich das eigentlich nicht, so liegt die praktische Datenrate im Eduroam zwischen 2-3 MB/s, dh., für 6 GB braucht man ca. eine Stunde. Aber nochmal: das Ding liegt dabei in einer Tasche 😀.